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1. Wie ist der Grundgedanke zu „Rheines Wasser“ entstanden?

Die Idee zum Projekt „Rheines Wasser“ – also den Rhein von der Quelle bis zur Mündung zu durchschwimmen und dabei gleichzeitig das Rheinwasser unter verschiedenen wissenschaftlichen Fragestellungen zu analysieren – entstand im Frühsommer 2013 bei einem Grillfest im Gespräch mit Freunden. Ich hatte einen Antrag auf Fördermittel für die Anschaffung eines für meine Forschungen zum präventiven Gewässerschutz sehr wichtigen Großanalysegeräts gestellt, der an diesem Tag abgelehnt wurde. Dies war der Anlass für mich, an dem Abend mit meinen Freunden über alternative Möglichkeiten der Finanzierung nachzudenken. Da ich ein ebenso guter wie passionierter Langstrecken- und Freiwasserschwimmer bin und Wasser das verbindende Element zwischen meinem Sport und meiner wissenschaftlichen Tätigkeit ist, war die Richtung schnell klar: ein Aufsehen erregendes Schwimm-Projekt, das Extremsport, Wissenschaft und Gewässerschutz miteinander verbindet.

2. Welche Schwerpunkte haben Sie bei der Vorbereitung auf das Projekt gesetzt?

Genau genommen drei: sportlich, wissenschaftlich und organisatorisch. Da ich seit meinem achten Lebensjahr Schwimmen als Leistungssport betreibe, hatte ich natürlich gute physische Voraussetzungen, um diesen Schwimm-Marathon durchzustehen, habe seit Sommer 2013 aber mein Training ganz gezielt auf das Projekt ausgerichtet. Parallel dazu liefen die Vorbereitungen für den wissenschaftlichen Teil des Projekts. Wir haben die Fragestellungen erarbeitet, unter denen wir das Rheinwasser untersuchen wollten, uns das notwendige methodische Know-how angeeignet und uns passende Wissenschaftspartner aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden mit ins Boot geholt. Zudem gab es von der Sponsorensuche bis zu logistischen Fragen viele organisatorische Dinge zu klären und zu regeln.

3. Wie haben Sie sich zum Durchhalten motiviert?

Das Projekt hatte von Anfang an ein Ziel, das über den rein sportlichen Aspekt hinausging. Dies war für mich und alle Projektbeteiligten ein großer Antrieb. Dasselbe gilt für den unerwartet großen Zuspruch, den das Projekt erfahren hat: angefangen beim großen Rückhalt, den „Rheines Wasser“ bei der  Leitung meiner Hochschule in Furtwangen hat, über die tolle Medienresonanz bis hin zu den vielen Menschen, die das Team und mich unterwegs angefeuert und unterstützt haben. Und als es in der letzten Woche richtig hart wurde und das Schwimmen eigentlich gar keinen Spaß mehr gemacht hat, war es ganz wichtig, dass meine Familie bei mir war.

4. Welches besondere Highlight gab es, das Ihnen immer in Erinnerung bleiben wird?

Da gibt es eigentlich viel zu viele, um sie hier aufzuzählen: das Erleben der Landschaft am Rhein aus der ungewohnten Perspektive des Schwimmers, die Bodensee-Etappe, zahlreiche Begegnungen mit Menschen entlang der Strecke, die großartige Gastfreundschaft, die uns vielfach zuteil wurde, und natürlich der Moment der Zielankunft, als ich nach mehr als 1.200 Kilometern Schwimmen im Rhein endlich Salzwasser geschmeckt habe.

5. Welches besonders witzige oder kuriose Erlebnis gab es im Streckenverlauf?

In St. Goarshausen haben wir in einer Herberge direkt auf dem Loreleyfelsen übernachtet. Am nächsten Tag gingen mir im Wasser noch die Verse des Loreley-Gedichts von Heinrich Heine, das in unserer Unterkunft aushing, durch den Kopf, als plötzlich im Wasser neben mir das Gesicht einer Frau auftauchte und mich im ersten Moment ziemlich erschreckt hat. Es war aber keine Nixe, sondern nur eine begeisterte Rheinschwimmerin, die mich ein Stück begleiten wollte.

6. Was war das Härteste an diesem Projekt?

Der Wetterumschwung Mitte August. Ich bin im Prinzip vom Sommer in den Herbst geschwommen. Das Wasser wurde deutlich kälter, sodass ich ab dem Niederrhein zwei Neoprenanzüge übereinander getragen habe. Hinzu kam, dass ich auf den letzten 300 Kilometern erst aufgrund des starken Winds, dann infolge des Einfluss’ der Gezeiten das Gefühl hatte, eigentlich gegen den Strom zu schwimmen. Das hat unheimlich viel Energie und Kraft gekostet.

7. Nach welchem Rhythmus haben Sie Ruhephasen integriert und wie haben Sie diese genutzt? Hat sich der Rhythmus von Anfang an bewährt?

Pro Woche haben wir einen Ruhetag integriert, der zugleich aber auch als Puffer gedacht war, falls es unterwegs zu zeitlichen Verzögerungen – etwa durch schlechtes Wetter – gekommen wäre. Zudem war es beim Schwimmen natürlich nötig, regelmäßig, das heißt, in etwa alle zwei Stunden Flüssigkeit und Nahrung zu sich zu nehmen. Das waren dann zugleich immer auch Ruhephasen. Und ganz wichtig war die Regeneration am Abend und in der Nacht nach dem Schwimmen. Dafür musste ich mir mehr Zeit nehmen, als ich gedacht hatte. Statt morgens vor 8 Uhr ging es daher meistens erst um 10 Uhr wieder ins Wasser.

9. Was würden Sie bei einem nächsten Mal auf jeden Fall anders machen?

Grundsätzlich haben wir sehr viel richtig gemacht, auch wenn wir beim Projektmanagement – vor allem in der Anfangsphase – noch Verbesserungsbedarf hatten. Vielleicht würde ich beim nächsten Mal einen Physiotherapeuten mit ins Team nehmen, der jeden Abend meine Muskeln wieder locker macht. Aber ein nächstes Mal wird es in keinem Fall geben – „Rheines Wasser“ war mit Sicherheit eine einmalige Sache.

 

Dextro Energy bedankt sich bei Prof. Dr. Andreas Fath für das nette und aufschlussreiche Interview!

 

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